Dienstag, 25. Juli 2017

Wortschatzwandel

 Mit der Webapplikation „Wortschatzwandel in der ZEIT“ können Sprachinteressierte erkunden, welche Wörter in einem bestimmten Jahr neu in der ZEIT waren und zuvor gar nicht oder nur selten verwendet wurden. Umgekehrt können die Nutzerinnen und Nutzer über die Anpassung einiger weniger Kennzahlen auch erforschen, wann bestimmte Wörter nicht mehr verwendet wurden. [...] Die Nutzerinnen und Nutzer werden so selbst zu Forschenden, die nach eigenen Kriterien nach auffälligen Wörtern suchen können.
So lässt sich beispielsweise nachvollziehen, dass im Jahr 1985 mehrere Wörter rund um die Aids-Epidemie, z.B. „Aids-Kranke“, „Aids-Patienten“ und „Aids-Virus“, aufkamen und auch mindestens in den folgenden 24 Jahren eine relevante Rolle im Wortschatz der Wochenzeitung spielten. Auch das Wort „Altersarmut“ wurde in diesem Jahr erstmals relevant und ist seitdem nicht mehr aus dem Wortschatz der ZEIT wegzudenken. 1990 erlangten wie zu erwarten Wörter wie „Stasi-Akten“, „Ossis“, „Wessis“ und „Maueröffnung“ erstmals Relevanz im Wortschatz. Aber auch andere Wörter, die thematisch nicht mit der deutschen Wiedervereinigung zusammenhängen, wie „Cyberspace“ oder „Anschubfinanzierung“ können erst ab 1990 verstärkt im Wortschatz der ZEIT nachgewiesen werden.
Erläuterung zum Umgang mit dem Instrument

Montag, 24. Juli 2017

Jährlich 3,6 Milliarden Plastiktüten verbrauchen die Deutschen

Und dabei ist das schon ein großer Fortschritt:
"Eine erfreuliche Bilanz: 2016 haben wir hierzulande etwa zwei Milliarden Plastiktüten weniger verbraucht als noch im Vorjahr. Grund dafür ist laut Experten die Einführung von Gebühren auf Plastiktüten.
Seit Juli 2016 sind in mehr als 300 Unternehmen Plastiktüten nicht mehr kostenlos zu haben. Auch wenn die Tüten in vielen Geschäften nur 10 oder 15 Cent kosten – die Maßnahme hat sich bewährt. In Deutschland ist der Verbrauch von Plastiktüten stark zurück gegangen, wie aktuelle Zahlen der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung zeigen.
Durchschnittlich hat jede Person in Deutschland nur noch 45 Plastiktüten im Jahr verbraucht – 2015 waren es noch 68 Tüten pro Kopf. Insgesamt ist der Plastiktüten-Verbrauch damit um etwa zwei Milliarden Stück gesunken: von 5,6 Milliarden Tüten jährlich auf nur noch 3,6 Milliarden."

Nationale Identität oder Postnationalismus

"When Canadian Prime Minister Justin Trudeau called his country the world’s “first post-national state” with no “core identity” or “mainstream,” he was offering a prescription, not a description. As Canada celebrates its 150th birthday this week and stares into the uncertain future ahead, his words may prove little more than an opening bid as the country negotiates its 21st-century purpose. [...] Canada would be less colonial politically, less English culturally, less white racially and more comfortable with activist government ideologically. Today’s lines are just as easy to observe, but where they lead is much harder to imagine, promising, as they do, to steer the country not merely from one identity to another, but away from identity itself."
(Who gets to decide Canada's identity? The Washington Post 29.6.2017)

Sonntag, 23. Juli 2017

Das Wochenende in der Süddeutschen Zeitung

Überblick

VW als Komplize der Militärdiktatur in Brasilien

"[...] Außerdem hat der VW do Brasil offenbar politische Festnahmen durch die Geheimpolizei auf seinem Werksgelände bei São Paulo zugelassen. Betroffene berichten, sie seien im Anschluss monatelang gefoltert worden. Sie hatten sich in oppositionellen Gruppen engagiert und Flugblätter auf dem Werksgelände verteilt. [...]"

Turbo-Abitur führt nur zum Teil schneller ins Studium

Von Inga Michler | 
"Der Plan, Jugendliche schneller auf den Arbeitsmarkt zu bringen, ist gescheitert. Viele drängen ins Sabbat-Jahr. Noch erschreckender ist allerdings die geringe digitale Affinität deutscher Schüler."
Der Vorteil von G8 für die Finanzminster bleibt. Die Schülerzahlen sinken, da ein Teil der Schüler früher das Schulsystem verlässt. 
Da mangelnde Kenntnisse dank der Kompetenzorientierung des Abiturs erst im Studium auffallen, müssen sie eben an der Uni nachgeholt werden, ob das in Eigeninitiative oder mit Unterstützung der Universität geschieht, kann den Finanzministern egal sein. Allenfalls zunehmende Abbrecherzahlen könnten stören, weil dann die Universitäten erkennbar weniger effizient arbeiten. Das kann man aber durch geeignete Statistiken verschleiern. 
Da ein Praxisjahr oft die Selbständigkeit der Studenten fördert, könnte dies die erhöhten Abbrecherquoten aber in gewissem Umfang kompensieren. 

Kaffee in Dürkheim

"Kaffee der rkheimer KAffeefabrik, die als Folge der Insolvenz der Quieta-Werke in Bad Dürkheim Mitte der 1930er Jahre von Fritz Opitz sen. gegründet wurde. Das Gelände der Fabrik befand sich in der Mannheimer Straße in Bad Dürkheim. Die ersten Maschinen wurden zum größten Teil aus der Insolvenzmasse der Quieta-Werke übernommen. Später firmierte sie unter "Kasper & Opitz", da Fred Kasper, der Sohn des Quieta Werke-Gründers Alfred Kasper, in die Firma DüKa aufgenommen werden musste. Fritz Opitz sen.? und Alfred Kasper waren Schwager.
Die Firma bestand bis 1967 und musste dann Insolvenz anmelden." (Kaffeetraditionsverein)

Freitag, 21. Juli 2017

Blauäugigkeit war keine Hilfe

Hier stelle ich in Bezug auf eine Studie zu Medienberichten im September und Oktober 2015 ein paar Bemerkungen zusammen, in denen ich vor einer Verharmlosung der Aufgabe der Integration von Flüchtlingen gewarnt habe. 

16.9.2015
Es hat sehr lange gedauert, bis Bevölkerung und Medien den Skandal wahrgenommen haben, der in dem "Schutz" der Festung Europas durch Frontex bestand. Mir erscheint das, was jetzt geschieht, wie ein kurzfristiger Hype, obwohl ich mir etwas anderes erhoffe. 
Merkel ist in dieser Situation im guten Sinne populistisch geworden. Hoffentlich fällt sie nicht um, wenn sie sich über die Folgen ihrer raschen Entscheidung klar wird. (Fonty)

7.10.15
Die Inklusion aller Behinderten und dieIntegration aller eintreffenden Flüchtlinge wird nicht gelingen, wenn das Bildungssystem unter dem Diktat der schwarzen Null und der Minimalsteuern für Unternehmen ausgehungert wird 

17.1.16
Zu lange schon sah ich die, die sich um Flüchtlinge kümmerten, von Politikern fast aller Richtungen allein gelassen.
Deshalb fand ich das Verschweigen oder Kleinreden von Problemen, die die Aufnahme einer hohen Zahl von Flüchtlingen unweigerlich mit sich bringen musste, hoch problematisch. 

24.2.16

Blauäugigkeit ist kein Ersatz für Tatkraft 

Die allgemeine Euphorie, die in den Medien ausbrach, als deutlich wurde, wie groß die Bereitschaft zu ehrenamtlicher Hilfe für Flüchtlinge war, war kein gutes Zeichen; denn sie übertönte den Ruf nach Aufstockung des professionellen Personals für diesen Bereich.
Die Forderung, die Polizei muss den Schutz von Flüchtlingen sicherstellen, 
Punktum, ist kein gutes Zeichen, denn sie verschließt die Augen davor, dass die Polizei in der gegenwärtigen Situation insgesamt, vor allem aber in einzelnen Krisensituation wegen Personalmangels überfordert ist. [...]

Zu viele unter uns haben die Flüchtlingskrise, die schon 
vor dem August 2015 bestand, nicht wahrgenommen und glauben deshalb an fehlenden guten Willen.
Zwar ist es völlig richtig, dass jetzt erheblich mehr in den Bildungsbereich investiert werden muss, dass mehr Polizisten eingestellt werden müssen und dass der Einsatz von Ehrenamtlichen unverzichtbar ist. Doch auch dann wird immer wieder einmal eine Überlastungssituation eintreten, für die man nicht einzelne Personen verantwortlich machen darf, sondern die auf unzureichende Vorbereitung zurückzuführen ist.

Nicht nur Blauäugigkeit, sondern geradezu Blindheit ist es, wenn man 
den Sachsen vorwirft, sie hätten nicht genügend gegen Rechtsradikale und Rechtspopulisten in ihrem Land getan.
Ist der nationalsozialistische Untergrund (NSU) etwa nur in Sachsen nicht zureichend verfolgt worden? [...].

Wir stehen vor einem Problem unserer Gesamtgesellschaft, und die Sachsen oder die Polizei oder sonst eine Gruppe unserer Gesellschaft zu Sündenböcken abzustempeln, hilft nicht weiter.

Schließlich: Wie sieht die Situation in Europa aus? Immer wieder hört und liest man in den Medien, es fehle die europäische Solidarität in der Flüchtlingskrise. Was will man von Esten und Litauern erwarten, wenn wir im wohlhabenden Deutschland nicht genügend Ressourcen aufbringen, um einzelne Gemeinden und Regionen zureichend zu unterstützen, dass sie mit den anfallenden Aufgaben fertig werden?
Und wie stand es und steht es um unsere Solidarität mit Griechenland?
Massiv waren die Forderungen nach Personalabbau in der öffentlichen Verwaltung; aber mit den Flüchtlingsströmen hätten die Griechen besser fertig werden sollen. Wie viel guter Wille ist dennoch immer noch auf den griechischen Inseln zu finden, wo jetzt 
Hotspots eingerichtet werden. Aber kann der erhalten bleiben, wenn die Bewohner keinerlei Solidarität von Deutschland erfahren, sondern statt dessen durch zwangsweisen Souveränitätsverzicht durch Frontexkommandos beglückt werden?

So sehr ich die anfängliche Euphorie über das ehrenamtliche Engagement kritisiere. Eine einzelne Zeitung darf durchaus eine deutliche Position vertreten. Fragwürdig war nur die von allen zur Schau gestellte (vorgetäuschte?) Blauäugigkeit.