Dienstag, 17. Januar 2017

Stoßseufzer!

Die Individualisierung, die Suchmaschinen vornehmen, hat bekanntlich jetzt auch die Eingabezeile der Browser erfasst.
Wenn man jemandem Hilfen zum Umgang mit dem Internet geben will, ohne seinen Computer zu sehen oder beeinflussen zu können, kann man dann nicht mehr davon ausgehen, dass bei ihm bei gleicher Eingabe auch das Gleiche passiert.

Seufz!  

Montag, 16. Januar 2017

Arm und Reich

Oxfam teilt mit, dass es aufgrund einer neuen Berechnungsmethode nicht über 50 Superreiche braucht, um so viel Vermögen zusammenzubringen wie die ärmere Hälfte (etwa 3,6 Mrd Menschen) der Weltbevölkerung hat, sondern nur 8. (2014 schrieb Oxfam noch, es seien 85.)

Was mich stört, ist, dass sich seriöse Presseorgane schon seit Jahren nicht zu schade sind, an diesen groben Überschlagsrechnungen herumzumäkeln.
Da wird so getan, als verbreitete Oxfam eine Fake News und dabei arbeitet man Fake Berechnungen, um den Eindruck hervorzurufen.
Vermutlich haben das über 90% derer, die meine Artikel lesen, längst durchschaut. Die brauchen nicht weiterzulesen.

Im Nachhinein reut es mich fast, dass ich mir dennoch die Zeit genommen habe, es zu erklären.
Aber da ich es ohnehin getan habe, lasse ich den Text auch noch hier stehen.

Die Süddeutsche Zeitung (wie auch das Handelsblatt, die Welt und andere) verweist darauf, dass nach der neuen Berechnung die Schulden mit berücksichtigt werden und somit einem amerikanischen Studenten mit Studienschulden weniger Vermögen zugerechnet werde als einem armen Bauer aus Burundi.
In der Tat, wenn man eine solche Berechnung anstellen würde, um die Lebenschancen von Menschen in den USA und Burundi zu vergleichen, dann käme heraus, dass das Ehepaar Obama, bevor Barack sein Buch Dream from my Father herausbrachte, schlechter dran gewesen wäre als der besagte Bauer aus Burundi. Das wäre wahrhaft grotesk!
Nur geht es beim Vergleich zwischen den Superreichen und den nahezu Besitzlosen gar nicht darum, wer im einzelnen zu den (nahezu) Besitzlosen gerechnet wird.

Fatal wäre es gewesen, wenn Oxfam bei den Armen die Schulden eingerechnet hätte und bei den Reichen nicht. Dann wären die Reichen künstlich reicher gerechnet worden und die Berechnung falsch.

Aber warum hat Oxfam überhaupt die Schulden berücksichtigt, wenn doch die Ärmsten bekanntlich so arm sind, dass niemand, der ein Geschäft machen will, ihnen Geld leiht?

Weshalb also überhaupt die Schulden berücksichtigen?

Nehmen wir das Beispiel Trump. Als er pleite war und er Milliardenkredite brauchte, um aus der Patsche herauszukommen, besaß er noch Millionenwerte (vielleicht im Wert von vielen hundert Millionen). Nur seine Schulden waren noch höher. Ihn in der Statistik zu den Multimillionären zu rechnen, wäre unkorrekt gewesen, auch wenn er ein Jahr davor dazu gehörte und ein Jahr darauf auch wieder.

Weiter: Bei einem Besitz von 50 Mrd Dollar schwankt der Wert des Vermögens täglich um viele Millionen, am manchem Börsentag sogar um 1 Milliarde. Bei den Geschäften, die Warren Buffet macht, geht er ständig Risiken ein, die ihn Hunderte Millionen kosten können. Warum wagt überhaupt jemand, solche Vermögen zu schätzen?
Weil es dabei auf eine Milliarde mehr oder weniger nicht ankommt. Und bei den Milliarden Menschen, die - nahezu - ohne Vermögen dastehen, kommt es auch nicht darauf an, ob zig Millionen Schuldner dazu gerechnet werden und so den Vermögensbetrag nach unten ziehen. Ob 8 Reichen 3,6 Milliarden oder 3,59 Milliarden Arme gegenüberstehen, macht keinen relevanten Unterschied. Schließlich ist es bei niemandem so schwer, halbwegs genaue Vermögensschätzungen vorzunehmen wie bei den Superreichen.

Schon 2014 war klar: Etwas ist faul im Kapitalismus Spiegel online 23.4.2014
Schon damals wurde an den Belegen herumgemäkelt.

Die Methoden, mit denen den Lesern Sand in die Augen gestreut wird, nähern sich mehr und mehr denen der Leugner des Klimawandels an. Einige Journalisten der seriösen Zeitungen haben begriffen, dass sie damit ihre Glaubwürdigkeit gefährden. Aber es sind noch zu wenige, und offenbar haben sie in den Redaktionskonferenzen noch nicht genügend Einfluss.
Das ist nicht nur schade, es ist sogar gefährlich.

Lang-Lkws passen nicht in Notspur im Tunnel

Mit bis zu 25,25 m Länge passen die EuroCombis auch nicht in die Parkplätze auf den Autobahnen und schon gar nicht auf Eisenbahnwaggons.
Sie könnten aber - bei bis zu 60 t Gesamtgewicht - Güterverkehr von der Schiene abziehen. Andererseits dürften sie zu mehr Staus auf Autobahnen führen. "Defekter Lkw auf der rechten Spur" hört man schon heute ständig in Staumeldungen.
Minister Dobrindt will sie aber trotz Widerspruch aus dem Bundeskabinett auf die Straße bringen.


Sonntag, 15. Januar 2017

Kino - Filmgestaltung

Thomas BinottoMach's noch einmal Charlie! 100 Filme für Kinofans, 2007
Lange hab ich es nur ganz wenig hier und da angelesen. Jetzt habe ich das Buch durchgelesen und gemerkt, dass es in vieler Hinsicht etwas wie einen Wegweiser für die Seite über Filmgestaltung darstellt, die auf http://www.vierundzwanzig.de/de/home/ zu finden ist.
Wenn man ohne Vorkenntnisse auf die Seite gerät, ahnt man nicht, wie viel da über die Suchfunktion an zusätzlichem Material zu entdecken ist.
Andererseits ist die Seite eine Art Teaser für den Besuch einer Filmhochschule. Man lernt, wie viele Berufe außer Schauspieler und Regisseur zur die Gestaltung von Filmen dazu gehören.
Mich hat am meisten beeindruckt, welche Rolle der Filmschnitt, also der Cutter oder Filmeditor, für die Wirkung eines Films hat. Von Vertretern verschiedener anderer Filmberufe wird angesprochen, wie wichtig gerade dieser Teil der Filmerstellung ist und dass Regisseure gern eine Menge hart erarbeiteter Filmszenen aufgeben, damit durch den Filmschnitt die bestmögliche Wirkung des Films erreicht wird. (Dass Filmschnitt - z.B. aus Gründen der Zensur - aus einem Meisterwerk ein unwichtiges Etwas machen kann, ist nur ein weiterer Beweis dafür, wie wichtig der Schnitt ist.) Dazu: Interview mit Claudia Fröhlich

Dennoch zieht sich durch das Buch Binottos, dass offenbar nicht Chaplin oder ein Filmeditor, sondern unangefochten der Regisseur Hitchcock als Meister der Filmgestaltung angesehen wird. Dafür spricht auch, dass François Truffaut, selbst ein Meisterregisseur, ein 50 Stunden langes Interview mit Hitchcock geführt hat, um sich von ihm erläutern zu lassen, wie er die Wirkung seiner berühmten Filmszenen erzielt hat. 

Textbeispiele aus dem Buch

Samstag, 14. Januar 2017

Was hält Stadt und Gesellschaft zusammen?

„Populisten kontra Gemeinsinn – was hält Stadt und Gesellschaft zusammen?“ Festrede der FR-Chefredakteurin Bascha Mika beim Neujahrsempfang der Stadt Frankfurt (Frankfurter Rundschau 14./15.1.17)

[,...]
Doch was sich 2016 an pauschalen Anfeindungen, Denunziation und bösartiger Häme öffentlich austobte, hat ein erschreckendes Niveau erreicht.
Wenn ganze gesellschaftliche Gruppen umstandslos als Parasiten, Kriminelle, gewissenlose Gesellen, Lügner oder Verräter beschimpft werden – seien es Politiker, Migranten, Journalisten oder schlicht Andersdenkende – wenn es so läuft, geht es nicht mehr um Streit.
Dann geht es um Ausgrenzung, Feindschaft und moralische Vernichtung des angeblichen Gegners. Dann wird ein Kultur- und Klassenkampf heraufbeschworen, der diese Gesellschaft gezielt auseinandertreiben und zum Zerreißen anspannen soll 
[...]
Deshalb brauchen wir einen Gesellschaftsentwurf, der nicht darauf basiert, mehr als ein Viertel der Bevölkerung schweigend abzuhängen. Teilhabe am System ist die Voraussetzung dafür, dass man dieses System auch verteidigt. Oder wie ein Autor der „Zeit“ sich fragte: „Kann man die freiheitliche Ordnung so neu justieren, dass sie nicht Massen aus Wütenden produziert, die diese lieber gegen etwas Härteres austauschen wollen?“
Vor allem müssen wir für Demokratie einstehen, aufstehen. Wegducken gilt nicht! 
[...]
Frankfurt hat seine Schwächen. Aber es setzt deutlich Zeichen, wie Gemeinsinn und offene Gesellschaft auch in Zukunft funktionieren können.
Mit demokratischem Streit um die richtigen Konzepte und Lösungen. Mit Größe statt Kleinmut. Mit Wehrhaftigkeit und Haltung.
Mir macht das Mut. Denn unsere offene Gesellschaft ist auch ein Geschenk. Und niemand soll es uns wegnehmen dürfen!

Wir erkennen die Schulden der Regierung nicht an, erklärt ein

arbeitsloser Grieche.
Nun wissen wir, das wird ihm nicht viel helfen.

Ich will keine Betrugsmanöver der VW AG und keine "Unterhaltsbeiträge" von 3000 € für Winterkorn finanzieren.
Das wird mir nicht viel helfen.
Insofern sitzen der Grieche und ich in einem Boot. Nur dass ich Luxusverpflegung und alle anderen Vergünstigungen erhalte und er keine.
Er sitzt freilich nicht in einem Flüchtlingsboot, er muss nur die Flüchtlingslager finanzieren helfen, in denen Flüchtlinge aufgrund fehlender Staatsfinanzen trotzdem menschenunwürdig leben müssen, weil die EU versprochene Leistungen nicht erbringt.

Ich erkläre hiermit, dass ich nichts dafür getan habe, afghanische Frauen davor zu schützen, dass ihnen Nase und Ohren abgeschnitten werden, nichts dafür, die Giftgasangriffe Saddam Husseins auf die Kurden im Irak, nichts dafür, den Völkermord in Ruanda zu verhindern.
Ich bin auch nicht für Kriege gegen Syrien, Nordkorea, Belarus (Weißrussland), Russland und China, obwohl dort ständig gegen die Menschenrechte verstoßen wird.
Als Deutscher finanziere ich weiterhin die Bankenspekulantionen, die zu Hunderten von Millionen Hungertoten geführt haben.
Und es geht mir gut dabei.
Irgendwie ist das nicht gerecht.

Ich  bekenne, dass ich nichts dafür getan habe, den Wechsel von Helmut Kohl zur rot-grünen Koalition zu verhindern, die Deregulierung, Steuererleichterung für Reiche und die Agendas 2010 vorangetrieben hat.

Noch darf ich Aufrufe von Amnesty, avaaz, Campact u.a. unterschreiben, an Staatspräsidenten appellieren, und manchmal hilft das wohl auch einmal ein bisschen.
Und ich freue mich, dass nicht alle Flüchtlinge, denen ich etwas beim Deutschlernen geholfen habe, danach ausgewiesen worden sind.

Es ist ein Privileg, in Deutschland zu leben.

Freitag, 13. Januar 2017

Größtes tropisches Moor

Im Kongo-Becken lagern 30 Milliarden Tonnen Kohlenstoffdioxid - gespeichert im wohl größten tropischen Moor der Welt. Es ist etwa dreimal so groß wie die Schweiz. (WDR 5 Min 30 sec Audio)

"Das Sumpfgebiet deckt zwar nur vier Prozent der Gesamtfläche des Kongobeckens ab, enthält jedoch genauso viel Kohlendioxid wie alle Bäume und Pflanzen in den restlichen 96 Prozent des Ökosystems von der Größe Indiens." (FR 13.1.17)