Mittwoch, 20. September 2017

Trump schockiert mit Rede vor Uno


In seiner ersten Rede vor der UN-Generalversammlung hat Trump Nordkorea mit der "totalen Zerstörung" gedroht und die Bedeutung "souveräner Nationalstaaten" hervorgehoben. Bricht der US-Präsident mit allen Gepflogenheiten der Vereinten Nationen – der Institution, die auf weltweite Kooperation setzt?
GÂNDUL (RO)

Bedrohung für die Menschheit

Schockiert über die Rhetorik Trumps vor der UN-Vollversammlung ist Gândul:
„Einem Land - auch wenn es Nordkorea ist - mit der 'völligen Zerstörung' zu drohen, ist beängstigend. Erst recht, wenn diese Drohung vom Präsidenten einer der weltweit wichtigsten Militär- und Nuklearmächte kommt. Und wenn diese ausgerechnet vor der Uno vorgetragen wird, einer Organisation, deren Auftrag eigentlich politisch-diplomatische Lösungen sind. Der Fakt, dass der Anführer des Weißen Hauses seine Twitter-Diplomatie auf die Uno-Tribüne hievt, ist bestürzend. Es wird immer deutlicher, dass dieser Mensch dringend Hilfe braucht. Donald J. Trump, der mit dem Nuklearfall droht, ist nicht nur eine Gefahr für ein einzelnes Land, das er von der Erde tilgen will, sondern für die gesamte Menschheit.“
Lelia Munteanu
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LIBÉRATION (FR)

Bruch mit allen Traditionen

Einen Paradigmenwechsel in der US-Außenpolitik erkennt ebenfalls Libération:
„Die Atomwaffendoktrin der USA sieht zwar im Fall der Verletzung vitaler Interessen der Vereinigten Staaten oder ihrer Verbündeter die Möglichkeit einer tödlichen Antwort vor. In den Konfrontationen zwischen Nuklearnationen, diesen 'Partien am Rande des Abgrunds', herrscht aber die kluge Tradition, die Worte behutsam zu wählen und jegliche unpassende Eskalation zu vermeiden. Gerade dank der sorgfältigen Abwägung seiner Worte hat John F. Kennedy die Kuba-Krise entschärft. Mit einem einzigen donnernden Satz wirft Trump die gesamte Tradition strategischer und verbaler Zurückhaltung über Bord.“
Laurent Joffrin
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POLITIKEN (DK)

Destruktive Ausfälle statt globaler Führerschaft

Nur Kritik hat auch Politiken für die Rede des US-Präsidenten übrig:
„Derjenige, der noch Hoffnung hatte, Donald Trump könnte besser sein als sein Ruf, erwachte jäh durch die 41 Minuten lange Jungfernrede in der UN-Generalversammlung. Wir erlebten einen Präsidenten, der mehr Wert auf Drohungen und Beschimpfungen legte als auf Versöhnung und Vision. Damit hat Trump die Veränderungen in der amerikanischen Außen- und Sicherheitspolitik, die sich innerhalb nur eines Jahres vollzogen, nochmals unterstrichen: von der Vision zur Destruktion. ... Und das Klima? Während neue Unwetter im Vorgarten der USA wüten, huschte Trump über die globalen Klimaveränderungen hinweg. ... Es zeichnet sich das Bild ab, dass die USA von der jahrzehntelangen globalen Führerschaft nun zu einer Serie destruktiver Ausfälle wechseln.“
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TAGES-ANZEIGER (CH)

So aggressiv wie im Wahlkampf

Trumps Auftritt zeigte noch einmal glasklar auf, wie dieser denkt, findet der Tages-Anzeiger:
„Trump ist kein Ideologe, er verlor kein Wort über Menschenrechte und amerikanische Werte, wie das Präsidenten vor ihm taten. Jeder soll sich erst um sich kümmern, so die Idee Trumps, jeder soll innerhalb seiner Grenzen tun, was er will. Wer sich aber nicht daran hält, zahlt einen Preis. Donald Trumps Rede war eine Rede an seine republikanische Basis: undiplomatisch, laut, aggressiv. So hat er die Wahlen in den USA gewonnen, so wird er weiter regieren. Ob er sich in der Völkergemeinschaft mit diesen Worten durchsetzen kann, ist allerdings zweifelhaft. Die Vertreter der 193 Uno-Länder hoben immer wieder ihre Augenbrauen. Sie müssen sich an Trumps Ton erst gewöhnen.“
Sacha Batthyany
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Angriff auf den Amazonas - Verkauf des Regenwaldes

Angriff auf den Amazonas (Taz)
http://www.taz.de/!5436261/

Brasilien - Im Zweifel für die Wirtschaft (Süddeutsche Zeitung)
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/brasilien-im-zweifel-fuer-die-wirtschaft-1.3647704

Gericht stoppt Temers Plan für Bergbau im Schutzgebiet (Spiegel Online)
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/brasilien-gericht-stoppt-plan-von-michel-temer-fuer-bergba...

Der Amazonas-Regenwald  beherbergt zehn Prozent aller auf der Welt lebenden Arten und erzeugt über 20 Prozent unseres Sauerstoffs. Ohne ihn können wir den Klimawandel nicht aufhalten. 

Doch dieses unentbehrliche Ökosystem und die indigenen Völker, die dort zuhause sind, zahlen nun den Preis für ein schmutziges politisches Spiel. Präsident Temer verscherbelt Waldstücke für Holzfällerei und Landwirtschaft -- im Gegenzug für politische Gefälligkeiten von einflussreichen Geschäftsleuten und Kongressmitgliedern.

Montag, 18. September 2017

Das Dorf der Vergesslichen (Demenz)

Das Dorf der Vergesslichen in Dänemark  Stern 18.9.17
Alzheimer-Patienten führen ein Leben in einer Parallelwelt. Während sie körperlich oft noch fit sind, herrscht im Kopf Chaos. In Dänemark wurde Betroffenen ein ungewöhnlicher Ort gegeben, um ihnen ein möglichst normales Leben zu ermöglichen. [...]
Am Anfang bekommen viele Betroffene noch mit, dass etwas nicht stimmt. Später leben sie in einer Alternativwelt. In den Supermarkt, zum Friseur - was einmal selbstverständlich war, funktioniert plötzlich nicht mehr. Körperlich sind viele aber so fit, dass normale Pflegeheime ihnen nicht gerecht werden.
Die  Svendborg auf der dänischen Insel Fünen hat deshalb ein eigenes Dorf für 125 Demenzkranke eingerichtet. Es ist eine Stadt in der Stadt, mit Laden, Friseur, Fitnessstudio, Café und Teich. Hier kann man leben wie früher, in der eigenen Wohnung oder Wohngemeinschaft - und doch geschützt. [...]  
"Wenn ich im Park laufen will, laufe ich im Park", sagt die 81-jährige Jytte Voigt bestimmt. Am liebsten zusammen mit einem gut aussehenden Mann. Jytte spricht noch immer fließend englisch - doch von einem Spaziergang im Ort würde sie wohl nicht zurückfinden. Im Demenzdorf kann sie nicht verloren gehen. Es ist paradox: Der Zaun am Ende von Straße und Park gibt den Bewohnern Freiheit. Die meisten nehmen ihn gar nicht wahr.
Theoretisch kann jeder Bewohner rausgehen in die Nachbarschaft - wenn er den Ausgang findet. "Dann haben sie ein GPS, so dass wir sie im Notfall aufspüren können." Viele aber sehen den gut versteckten Ausgang nicht. Die mit Folie beklebte Glastür ist so unscheinbar, dass man dann doch lieber nebenan ins Café geht. [...]

sieh auch:

Wenn das „Navi“ im Kopf fehlerhaft wird

Parteiverbote in der Weimarer Republik

Albrecht, Community-Experte für Geschichte bei gutefrage.net


Schulentwicklung: Digitalisierung

„Wir müssen die Schulen schnell digitalisieren“ 
Die Wirtschaftswoche 17.9.17
Interview mit Ludger Wößmann vom Zentrum für Bildungsökonomik am ifo Institut München
"[...] Die Digitalisierung verändert unser Leben viel schneller, als dass wir es uns erlauben könnten, Jahre darüber zu reden, wie wir das überhaupt anpacken können. In den Koalitionsverhandlungen nach der Wahl muss das nach ganz oben. Und selbst dann besteht immer noch die Gefahr, dass das Geld bei den Ländern anderswo verschwindet und gar nicht dort ankommt, wo es hilft: bei den Lehrern und Schülern. [...]
Wir sehen schon jetzt in vielen Bundesländern, dass eigentlich nicht genügend ausgebildete Lehrer vorhanden sind. [...]
Das große Potenzial von Ganztagsschulen liegt aber in einem anderen Rhythmus: Lernzeiten auf der einen und Ausgleichszeiten auf der anderen Seite müssen stärker über den Tag verteilt werden.  [...]
Wieso schafft es Deutschland einfach nicht, mehr Chancengleichheit herzustellen?
Je früher man ansetzt, desto geringer werden die Abhängigkeiten. In Ländern, die Kindern, gerade jenen aus bildungsfernen Schichten, frühzeitig ein qualitativ hochwertiges Bildungssystem bieten, geht die Schere am Ende der Schulzeit nicht so weit auseinander. Wichtig ist auch ein Thema, das in Deutschland nicht gerne diskutiert wird: In Ländern, die früher auf unterschiedliche Schularten aufteilen, ist die Ungleichheit stärker und zwar ohne, dass das Leistungsniveau insgesamt besser wäre, sondern schlechter. Fast nirgendwo auf der Welt, außer in Deutschland und Österreich, werden die Kinder schon nach der vierten Klasse in unterschiedliche Schularten aufgeteilt. [...]
Wenn Schulen pro Kopf finanziert werden, setzt das die richtigen Anreize, sie mit diesen Mitteln wirklich besser zu machen. Chancengleichheit ist aber nur dann gegeben, wenn diese Gutscheine nicht durch private Mittel aufgestockt werden dürfen. Man kann auch darüber nachdenken, dass Schulen für Kinder aus schwierigen Verhältnissen mehr Mittel bekommen, damit sie diese Kinder noch stärker fördern können. [...]
Ich finde es nicht ehrlich, wenn Unternehmen sagen: Wir brauchen mehr Facharbeiter, mehr Leute mit einer Ausbildung, aber gleichzeitig sind die Einkommensunterschiede zu Akademikern so groß. [...]"

Karl Heinz Bohrer

Karl Heinz Bohrer : Von der Erotik des Denkens Interview vom 30.7.2012

" [...] Bohrer: [...]  Ich mache zwischen dem Erotischen und dem Ästhetischen keinen speziellen Unterschied mehr. [...]  
Außenseitersein gehört ja mehr oder weniger zum Selbstverständnis des modernen Intellektuellen. Die Frage ist, wie dieser Typus des Unabhängigen, der einst so originell war, heute noch aktualisiert werden kann. Nietzsches Unterscheidung zwischen "freiem Geist" und "Freigeist" ist da entscheidend.
Die Welt: Also alles, nur keine Rücksicht auf andere Denker und Ideen?
Bohrer: Nein. Ohne Rücksicht auf anderes Denken lässt sich nicht denken. Aber Rücksichtslosigkeit ist wichtig. [...]
Dieses Prinzip der schieren Beobachtung und nicht der synthetisierten oder deduktiven Form der Zeitkritik finde ich in der Tat eine interessante Möglichkeit des Journalismus. Aber: zwischen journalistischer Beschreibung von Augenblicken der Wirklichkeit einerseits und den ästhetischen Augenblicken an die ich hier denke, besteht kein Zusammenhang. Im einen Fall handelt es sich um eine pragmatische Form von Wirklichkeitsbestimmung, wenn möglich ohne ideologische Formelsprache. Das ist dann guter Journalismus. Im anderen Fall handelt es sich um Denkakte von enormem Ausmaß, die sich mit der großen Geistestradition des von Platon bis Hegel formierten Idealismus auseinandersetzen – und in einer Kühnheit darauf bestehen, dass die Welt eigentlich nur in Ausdrucksformen und nicht in Ideen fassbar ist: Darin liegt die Provokation für das intellektuelle Feuilleton. [...]
Die Welt: Ihnen ist damals von Ihrem Kollegen Marcel Reich-Ranicki vorgeworfen worden, Sie würden mit dem Rücken zum Publikum schreiben.
Bohrer: Das habe ich als einen wohltuenden Satz empfunden! Das ist der einzige Satz in seiner Biographie über unser Verhältnis und ich dachte sofort: er hat Recht. Darin lag ja auch ein gewisser Stolz. Ich fand von Anfang an, dass es für den Literaturkritiker und Chef des Literaturblatts der "F.A.Z." wichtiger ist, das zu denken, was relevant zu denken ist, und nicht das zu denken, was möglicherweise eine Mehrheit gut versteht. [...]
Die Welt: So wie Sie sprechen, über das Momentane, Plötzliche, Tat, Erscheinung, Emphase und Erotik im Denken: Ist der Appeal des Denkens nicht eindeutig männlich gepolt?
Bohrer: In der Tradition wahrscheinlich. Und ich muss auch zugeben, dass ich noch sehr geprägt worden bin durch eine "male chauvinist" Kulturvorstellung und maskuline Rede. Die Heroen der Intellektualität in meiner frühen Erziehung waren natürlich männlich. Und in der Emphatik des Selbstdenkers steckt ein Moment heroischer Selbstidentifikation, die Identifikation von Männlichkeit und Intellektualität drin. Sie meinen, was ich über Selbstdenker sage, ist einer maskulinen Ideologie entsprungen? [...]
Diese Zusammenkünfte linker Akademiker zu Salzstangenpartys, wo es noch nicht die dampfenden Essen gab, die es dann später als Charakteristikum der Linken gab, diese Treffen, bei denen sie sich zum Sichempören über soziale Untaten in der Gesellschaft wie fromme Christen in den Katakomben zusammenfanden: Dieser Aspekt der Achtundsechziger-Kulturrevolution hat in der Tat überhaupt keine erotischen Züge. Das waren Protestanten einer neuen Religion. [...]
Habermas war der scharfsinnige linksliberale Analytiker der Gesellschaftssituation par excellence, der sich von der Mehrheit der Utopiker strikt unterschied. Wenn auch sein wichtigstes Buch "Strukturwandel der Öffentlichkeit" damals zu einem Katechismus der linken Bewegung geworden war. Aber noch wichtiger: Habermas war die Erscheinung des freimütigen, in Deutschland so noch nie gesehenen Intellektuellen!
 Witzig und ernst zugleich, temperamentvoll und streng in Einem. Und: er hatte enormen Stil in seiner partiell frustrierend schwierigen Diktion. [...]
Ich bevorzuge eine nichtrealistische Literatur – zum Beispiel die surrealistische oder Claude Simon oder Cortázar oder Pynchon – die nicht als Diagnostik der Gesellschaft bestimmt werden kann. [...]

Sieh auch:
Jetzt: Geschichte meines Abenteuers mit der Phantasie, 2017
Kundenrezensionen
Leseprobe
Michael Krüger

Samstag, 16. September 2017

"Niemand hat nur die Identität, die er annimmt, ...

jeder hat auch die, die die anderen in ihm sehen."

Arundhati Roy

aus dem Interview mit der FR vom 16.9.17, S.32/33

Über die Ureinwohner Zentralindiens sagt sie:
"Die Regierung hatte ihr Land an Konzerne übertragen. Das wollten sie sich nicht gefallen lassen. Im Fernsehen hieß es: Die Ureinwohner seien Terroristen. Ich verbrachte vier Wochen mit ihnen im Wald. Anschließend schrieb ich einen Essay darüber, um zu zeigen: Das sind die Menschen, die ihr Terroristen nennt! "

aus dem Interview mit dem Tagesspiegel vom 11.9.17

Ihr neuer Roman:
 „Das Ministerium des äußersten Glücks

"Roy beklagt die Grausamkeit der Spezies Mensch im Allgemeinen.
Das ist ein Sujet von alttestamentarischer Wucht und Schwere, die in der kraftvollen, poetischen Sprache Roys einen angemessenen Hallraum findet. Und in der Methode, unfassbare Episoden im Rückblick mehrerer Figuren zu schildern. Die saftige Kreatürlichkeit und Fabulierlust, die ihr beim „Gott der kleinen Dinge“ den Ruf einbrachte, der weibliche Salman Rushdie zu sein, tritt dagegen diesmal ein Stück zurück. Auch das ist womöglich ein Tribut der Schriftstellerin Arundhati Roy an die Wirklichkeit."
Rezension im Tagesspiegel vom 9.8.17

Dienstag, 12. September 2017

Heiner Geißler

http://www.sueddeutsche.de/politik/zum-tode-von-heiner-geissler-der-general-der-seiner-zeit-voraus-war-1.3659375
"[...] Geißler redete Kohls Falschaussage in der Flick-Affäre als "Blackout" klein, übte üble Kritik an der Verleihung des Friedensnobelpreises an die Organisation "Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs IPPNW" und bezeichnete die SPD im Streit um die Nachrüstung als "fünfte Kolonne der anderen Seite". Besonders SPD-Chef Willy Brandt brachte er 1985 so sehr auf die Palme, dass der Ex-Kanzler die Fassung verlor: "Ein Hetzer ist er, seit Goebbels der schlimmste Hetzer in diesem Land."
Geißlers verbale Attacken gegen die SPD und die Grünen verdeckten, dass er im Grunde seines Herzens selbst ein Liberaler war und privat als umgänglich und verschmitzt galt. Immer stärker wurde er als Unruhestifter in seiner Partei wahrgenommen und warb bereits 1987 innerhalb der CDU für einen neuen "Kurs der Mitte" ohne Ausgrenzung von Randgruppen. Früh präsentierte er seine Vorstellungen von einer "multikulturellen Gesellschaft", die bis heute Konservative erregen. Nach seiner Entmachtung blieb er unbequem. [...]"

sieh auch: http://fontanefansschnipsel.blogspot.de/2015/10/uber-geilers-rolle-als-vermittler-bei.html

Internet der Dinge und Datenschutz

"Eigentlich müssten Hersteller bei der Entwicklung ihrer smarten Geräte, die mit dem Internet vernetzt sind, künftig ab Mai 2018 Datenschutz von vornherein mitdenken. Dann tritt die EU-Datenschutzverordnung in Kraft. Dort sind die Begriffe„Privacy by design“ und „privacy by default“ verankert, die bedeuten, dass die Privatsphäre standardmäßig bei der Entwicklung von neuen Produkten berücksichtigt werden muss. [...]
 „Wenn nur rund zehn Prozent der vernetzten Daten einen Rückschluss auf Gewohnheiten zulassen, was bedeutet das dann für die Zukunft? Das wird noch sehr spannend“, sagt Schrems."
https://futurezone.at/netzpolitik/max-schrems-wie-viel-vernetzung-ist-eigentlich-gesund/283.105.358  (futurezone 9.9.17)

Montag, 11. September 2017

Erinnerung an Naomi Klein: Die Schock-Strategie und ihre Anwendung durch Trump

Naomi Kleins Sckock-Strategie erweist sich immer mehr als wichtiges Buch zur Erklärung des mörderischen Geschehens
  • Die Strategie, schockartig zu zerstören, um damit angeblich Neues zu schaffen, gab und gibt es wirklich.
  • So ist zum Beispiel in Russland zur Zeit von Jelzin ab 1990 verfahren worden.
  • Der Irak ist rücksichtslos zerstört worden, einschließlich der weit entwickelten Kultur dieses Volkes. Lateinamerikanische Völker wurden Opfer dieser Strategie.
  • Die Zerstörungen sind betrieben worden, um die neoliberale Ideologie durchzusetzen.
  • Hinter der Schock-Strategie steckt nahezu regelmäßig die Forderung nach Privatisierung öffentlicher Einrichtungen und öffentlicher Unternehmen. So ist es in Lateinamerika geschehen, in Russland, in Polen, im Irak und vielen anderen Ländern. Krieg und Zerstörung bereiten den Raub vor.
mehr dazu: Nachdenkseiten

Koreanistikprofessorin über ihr Verhältnis zu Nord- und Südkorea


"[...] Sie haben in der DDR oft eine Lanze für die Nordkoreaner gebrochen?
Ja. In meiner Dissertation und meiner Habilitationsschrift habe ich zum Beispiel kritisiert, dass die Koreaner bei uns oft mit den Chinesen und ihrer argen Kulturrevolution in einen Topf geworfen wurden. Ich konnte mir solch eine Kritik erlauben, denn ich war ja in gewissem Sinne unangreifbar.[...]
Ich sagte, dass die DDR implodiert sei, weil es an Demokratie mangelte. Gleichzeitig hob ich hervor, dass der Osten Deutschlands im Vergleich zum Norden Koreas geradezu ein Hort demokratischer Verhältnisse gewesen sei. Das hat den Nordkoreanern sicherlich missfallen. Heute kann ich dank der Unterstützung durch staatliche und nichtstaatliche Institutionen in Südkorea und Japan meine wissenschaftliche und übersetzerische Arbeit fortsetzen." (Interview mit der taz 7.7.2012)

Schulreform: Mehr Platz für Polens Helden

Die nationalpopulistische Regierung in Warschau baut das Schulsystem nach ihrem Weltbild um. Vaterländische Kultur und patriotische Werte verdrängen im Lehrplan Toleranz und Vielfalt.
    Von Florian Hassel
    Elżbieta Pros hat als Lehrerin einige Wandlungen polnischer Schulen mitgemacht. Aber eine Reform wie die, die an Polens Schulen zum Schulbeginn am 4. September in Kraft trat, hat Pros in 26 Jahren als Lehrerin noch nicht erlebt. "Die Lehrer sind nicht vorbereitet. Die Eltern sind nicht vorbereitet. Die Kinder sind nicht vorbereitet. Die Lehrbücher sind nicht da. Es ist das reine Chaos", sagt Pros, eine 47 Jahre alte Polnischlehrerin im 65 000-Einwohner-Städtchen Chelm, 220 Kilometer südöstlich von Warschau.

    Pros und die rund 80 Lehrerkollegen und 500 Schüler an ihrer Schule erleben eine Reform, die die von der nationalpopulistischen Partei "Recht und Gerechtigkeit" (PiS) geführte Regierung gegen den Willen betroffener Lehrer, Eltern und vieler Fachleute binnen eines Jahres erdacht und durchgeführt hat. Kern der Reform: 7684 Gymnasien - Polens von der 7. bis zur 9. Klasse führende Mittelschulen, an denen rund eine Million Kinder lernen - wurden aufgelöst oder mit bestehenden Grundschulen zusammengelegt. Künftig gehen Polens Kinder wieder wie zu kommunistischer Zeit acht Jahre in die Grundschule. Von dort sollen sie künftig direkt auf eine Oberstufenschule (Lyzeum) oder eine Berufsschule (Technikum) gehen, um das Abitur zu machen. Auch das Gymnasium von Lehrerin Pros ist nun eine Grundschule. (mehr: SZ 10.9.17)

    Freitag, 8. September 2017

    Wahlkampf

    Der Phrasenprüfer untersucht Schlagwortargumente auf ihre Glaubwürdigkeit: hier

    Beispiel in Kurzform:

    Generationengerechtigkeit: Das Schlagwort suggeriert, es gehe darum, dass zusätzliche Lasten für die kommende Generation vermieden werden sollen. Begründet wird damit die Forderung nach geringeren Sozialabgaben und die Vermeidung von Steuererhöhungen.
    Dabei sind die größten Gefahren für die kommende Generation: Mangelnde Bildung, Klimawandel und fehlende Infrastruktur. Zur Abwehr von allen drei ist zugunsten der Schwarzen Null schon lange kaum noch etwas getan worden.
    Wer von Generationengerechtigkeit spricht, will damit bemänteln, dass er gegen Steuergerechtigkeit und Zukunftsvisionen ist.

    mehr dazu (Fonty)

    Faktencheck zum TV-Duell Merkel - Schulz (SZ)

    Wagenknechts Faktencheck zum Gespräch der kleineren Parteien




    Merkel im Wahlkampf in Ostdeutschland faz.net 8.9.17

    Mittwoch, 6. September 2017

    Vermischtes

    Lehrermangel SZ 6.9.17
    "In Sachsen wird gerade ein Effekt wirksam, der strukturell alle Bundesländer des Ostens betrifft: Wegen deutlicher Geburtenrückgänge wurde die Lehrerausbildung in den Neunzigern zurückgefahren - nun, da die Schülerzahlen wieder steigen, kann die gegenwärtige Pensionierungswelle nicht durch planvoll ausgebildete junge Kollegen hinreichend ausgeglichen werden."

    mehr dazu: Lehrermangel aufgrund Fehlsteuerung und unerwarteten Herausforderungen

    Boat People 1979  ZEIT 25/2017

    Versicherungen halfen beim Steuerraub  ZEIT 25/2017

    Mord an Dag Hammarskjöld?  ZEIT 25/2017


    Talkshows und Wahlsendungen

    Talkshows Süddeutsche Zeitung 6.9.17
    "Wie ziehen die Talkshow-Redaktionen Grenzen zwischen legitimem Theater und falsch verstandener Kumpanei? Offenkundig fehlt manchen das Gespür für die Bedeutung dieser Frage."

    Die Angst der Moderatoren vor dem Mob Süddeutsche Zeitung 4.9.17

    Faktencheck zum TV-Duell