Dienstag, 7. Februar 2017

Freiheit und Sicherheit

Auch wenn man es von den Institutionen, die für Sicherheit zuständig sind, ungern hört, wenn wieder einmal etwas schief gelaufen ist: Es gibt für Menschen keine hundertprozentige Sicherheit.

Deshalb ist der Versuch, völlige Sicherheit herzustellen, ein ganz gefährlicher Angstmacher, für Individuen gewiss.
In der Gesellschaft wird mit diesem Versuch immer wieder autoritäre Herrschaft gerechtfertigt. Sprichwörtlich wird dazu "Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf" herangezogen. Und Thomas Hobbes hat in seiner Lehre vom Staatsvertrag ähnlich argumentiert.
Insofern stehen Freiheit und Sicherheit in einem komplizierten Spannungsverhältnis.
Wer aber behauptet "Es gibt keine Freiheit ohne Sicherheit" - wie es heute häufig geschieht -, will offenbar das Beschneiden von Freiheit rechtfertigen.

Selbstverständlich ist ein Mensch in ständiger Angst, gefoltert oder getötet zu werden, nicht frei.
Aber ein Mensch, der sich stets nur für die größere Sicherheit entscheidet, kann es auch nicht sein.

Der Satz "Es gibt keine Freiheit ohne Sicherheit" ist also geeignet, Aufklärung und Freiheit zu bekämpfen. Früher hätte ich von Volksverdummung gesprochen. Es ist aber nur der Versuch.

dazu: Funkkolleg Sicherheit: Bedrohte Demokratie – bedeutet mehr Sicherheit weniger Freiheit?
Zusatzmaterialien

Kommentare:

  1. ...daß die Menschen nicht Herr bleiben über das, was
    sie tun, daß sie die Folgen nicht kennen und sich auf
    die Zukunft nicht verlassen können, ist der Preis, den
    sie dafür zahlen, daß sie mit anderen ihresgleichen
    zusammen die Welt bewohnen, der Preis, mit anderen
    Worten, für die Freude nicht allein zu sein, und
    die Gewißheit, daß das Leben mehr ist
    als nur ein Traum
    Hannah Arendt

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    1. Danke für dies Zitat!
      Man könnte freilich auch sagen, dass das nicht daran liegt, dass es mehr als einen Menschen gibt ("Eva ist schuld!"), sondern daran, dass das Paradies der kindlichen Verantwortungslosigkeit verlassen worden ist. Sobald die Eltern nicht mehr die Götter sind, die über dem Schicksal stehen, fängt die gefühlte Unsicherheit an.
      In Wirklichkeit beginnt die Unsicherheit schon früher.

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